Man sammelt sich im Leben unvermeidlich
so viele Frust-Rationen an.
Wohl dem,
der sie gut verdauen kann.

Neuigkeiten


Gedichtfragment im Advent

13.12.2017, 13:44 Uhr

 

Wenn ein Mann

frei heraus

aus der Mitte seiner Brust heraus

lacht,

ohne Arg und ohne Krümel,

dann ist das eines der schönsten

Geräusche der Welt für mich.

Ein Stück vom Frieden nämlich.

 

*

 

Das fiel mir ein, nachdem ich mit zweien meiner Herzensmänner telefoniert und bei beiden eben dieses Lachen vernommen hatte. Toll! Was bin ich doch beschenkt, wenn ich es recht bedenke. In diesem Sinne wünsche ich allen meinen Lesern hier auf dieser Seite und meiner vielen Bücher eine glückliche Rest-Adventszeit und frohe, zufriedene Weihnachtstage mit einem wachen Blick für die alltäglichen Wunder. Was mich angeht, brauche ich offenbar mehr Lachen, Lockerung und (Aus-)Gelassenheit. Meine Kiefergelenke signalisieren es mir. Zuviel Festigkeit dort. "Sei nicht so verbissen, mein Schatz." So rede ich mit meinem Körper. Und er mit mir. Na ja, mir jedenfalls hilft es, die Sache so zu betrachten. YEAH! :-) 

 

 

Besuch von Jörg Nicht

21.11.2017, 10:49 Uhr

Ein Fotograf hat mich besucht. Einer von jener seltenen Art, die eine Linse auf mich richten und dabei zartfühlend, respektvoll bleiben. Dass so etwas eine Kunst für sich ist, weiß ich aus meiner jahrelangen Arbeit als Journalistin. Auch ich "zielte" mit einem recht monströsen technischen Gerät auf Menschen, Gesprächspartner: Ein langes und unübersehbares Mikrofon. Und dann soll der andere noch tief in sich hinein blicken lassen, sich einem Unbekannten öffnen. Aber es ist möglich. Ich habe mich sehr gefreut über diese Stunden, in denen ich dem Bildkünstler Jörg Nicht meinen Kiez zeigen durfte. Es war so ein verregneter Herbsttag; aber er erkannte sofort das passende Licht, die günstige Kombination aus leuchtenden Farben. Das tropfende gelbe Laub meiner Spazierbäume. Das Blau meiner warmen Stadtstreicherinnen-Jacke. Das Rot meines Schirmes. Ich fühlte mich gut aufgehoben an der Seite dieses Menschen, der mir nebenbei Fragen stellte, von dem ich mich irgendwie sofort verstanden fühlte, der mich ablichtete, wie ich bin, ohne Schminke eben. Seit Samstag steht sein fertiger Beitrag auf Instagram; siehe hier: https://instagram.com/p/BboaVowDrY-/. Oder hier: www.instagram.com/sei_berlin. Für mich ein wahrer Glücksmoment, so mit einem Kollegen zu harmonieren. Und was ich selbst zu sagen habe über diesen Teil des Friedhofs Berlin-Baumschulenweg mit seinem Oval, das angeblich mal ein Sportplatz war, das habe ich schon längst erzählt, in meinem Buch "Stadtstreicherin 2 - Neue Spazierbilder", Seite 118. So viel Werbung muss sein.:-) Viel Spaß beim Schmökern wünscht eure Katrin aus ihrer Schreibwerkstatt. Allerdings muss ich gleich wieder raus, auf meine übliche Runde. Das ist ja klar. Hier gehe ich. Ich kann nicht anders.

Fortsetzung folgt. 

 

 

frühere Bücher nicht in Vergessenheit geraten lassen

02.11.2017, 11:26 Uhr

Immer noch bin ich jeden Freitag in meinem Tempel, den Gropius Passagen Berlin. Es ist für mich ganz erstaunlich, wie dieses größte Einkaufszentrum der Stadt bei laufendem Betrieb umgebaut wird. Mitten zwischen all den hastenden, schlendernden, shoppenden Leuten entsteht unter Staub, Dreck und Baugetöse eine Glitzer-Mall, fast wie ich sie aus Dubai kenne. Mit dem einziehenden Luxus scheint sich auch die Kundschaft zu verändern. Nie zuvor sah ich dort in Neukölln aufgespritzte Lippen, Pelze, Edelschmuck um teure Dekolletés. Aber auch die Jugendlichen - immer auf der Suche nach einem chilligen Treffpunkt - sammeln sich hier und müssen ein um das andere Mal von Aufsichtspersonen zur Ordnung gerufen werden. Stoisch, als sei nie eine Veränderung geschehen, schieben Frauen in Arbeitskluft die Reinigungswagen durch die Gänge. Dieser Anblick hat mich schon vor acht, neun Jahren inspiriert zu meinem Buch "Briefschreiberin. Gedankenbilder", in dem ich einer dieser Putzfrauen den Rang der Hauptheldin einräume. Sie fährt nicht ohne Stolz ihren Supergroundcontrol One, einen Reinigungswagen für große Flächen. Außerdem hat sie eine Geschichte zu erzählen, in achtzehn Briefen an "Chris", von dem man bis zuletzt nicht weiß, wer er eigentlich ist. Oder sie. 

Neuerdings gibt es doch wieder einen Buchladen im Tempel. Eigentlich hieß es ja die ganze Zeit über, dort wollen sie bloß Mode und Accessoires anbieten, neben den üblichen Ketten und Cafés. Aber nein, die Literatur zog doch wieder ein. Vielleicht sollte ich dort, in diesem Geschäft, mal an meine "Briefschreiberin" erinnern?

Für euch hier der Bonus-Track aus meinem Werk, mein Gedicht

 

"Zwischen zwei Büchern":

 

Zwischen zwei Büchern

ist das Leben nicht leicht.

Allein mit den Viechern.

Eins jammert. Eins kreischt.

"Das war´s!" und "Nie wieder!",

so lautet die Falle.

Für immer und Punkt.

Die Inspiration, sie ist alle.

Ihr seid nur Dämonen,

ich kenne euch gut.

Und trotzdem:

Ihr raubt mir auf´s Neue den Mut.

Was hilft da?

Da hilft nur: Am Morgen aufstehn.

Mich häuten und lächeln -

Schlicht: weitergehn. 

 

PS: Seit diesen Zeilen im Herbst 2008 habe ich elf weitere Bücher und fünfzehn dicke Tagebücher (per Hand!) geschrieben. Der Zuspruch, den man sich selber schenkt, scheint also zu wirken. Manchmal muss ich mir das selber bewußt machen. Um mich nicht noch mehr anzutreiben. Tja. :-)