Ich glaube, das Klügste, was ich je über die Liebe gesagt habe, habe ich gleich in mein erstes Buch geschrieben: Wenn ich bei dir bin, bin ich näher bei mir.

Neuigkeiten


Weihnachtsvorbereitungen

24.11.2016, 10:47 Uhr

Da, wo ich wohne, wird zur Zeit wieder alles belämpelt, geschmückt; jeden Tag kommt ein neues glitzerndes Detail hinzu. Noch ein Monat bis zu dem heiligen Abend! Die Berliner jedenfalls wollen die Tage bis dahin voll auskosten. Sie sind nicht zu halten, wenn sie jetzt schon ihre Weihnachtsbäume aufstellen, drinnen oder draußen auf dem Balkon, wenn sie ihre Fenster umranden mit Licht, die Vorgärten in ein Winterwunderland verwandeln. Eine Sehnsucht kommt da zum Vorschein. Aber auch ein Perfektionismus, der mich ängstigt. Ich denke wie immer um diese Jahreszeit an ein Interview, das ich führte, als ich noch als Journalistin arbeitete; eine Umfrage eigentlich. Für eine Frauensendung hörte ich mich bei berufstätigen Weibern in meiner Stadt um: "Was bedeutet Ihnen eigentlich Weihnachten?" In einem Warenhaus stand ich einer Verkäuferin gegenüber und stellte arglos meine Frage. Diese Frau sehe ich noch heute vor mir, sie schaute mich an und begann auf der Stelle bitterlich zu weinen. "Dieser ganze Stress", schluchzte sie in mein Mikrofon. "Wenn doch bloß schon alles vorbei wäre!"

Ich habe alles in mir; die Freude und den Druck. Die, die mit mir leben, wissen, dass ich schon so einiges ausprobiert habe, den Überfluss, das Gerenne; dann auch mal keine Geschenke und alles ganz bescheiden. Nichts erschien mir wirklich perfekt. Alles war nur ein Versuch. Am Sonntag ist der erste Advent. Wieder ein neuer Versuch möglich. Ob es mir gelingt, das Wesentliche im Herzen entstehen zu lassen - und dass sich der ganze Rest dann von selbst ergibt?

 

Fortsetzung folgt.

 

 

Trost aus einem sehr alten Gedicht

19.10.2016, 13:27 Uhr

Ein Freund hat es mir vor vielen Jahren geschenkt, und seitdem klebt es am Schreibtisch in meiner Werkstatt.

Erst viel später - anlässlich ihrer Beerdigung im Dezember 2011 auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin - erfuhr ich, dass es auch eines der Lieblingsgedichte von Christa Wolf gewesen ist. Inzwischen stelle ich fest, dass mir aus seinen Zeilen echter Trost erwächst, zum Beispiel in schlaflosen Nächten, in denen ich mich frage, wieso Literaten, Künste so wenig zu gelten scheinen in meiner Zeit. Dann rezitiere ich im Stillen jenen Paul Fleming - und was er hinterlassen hat aus dem fernen Jahre 1641. Unglaublich! Für mich klingt "An sich" ganz aktuell und absolut alltagstauglich:

 

"Sei dennoch unverzagt! Gib dennoch unverloren!

Weich keinem Glücke nicht, steh höher als der Neid, 

vergnüge dich an dir und acht es für kein Leid, 

hat sich gleich wider dich Glück, Ort und Zeit verschworen.

Was dich betrübt und labt, halt alles für erkoren; 

nimm dein Verhängnis an. Laß alles unbereut. 

Tu, was getan muß sein, und eh man dir's gebeut.* 

Was du noch hoffen kannst, das wird noch stets geboren.

Was klagt, was lobt man noch? Sein Unglück und sein Glücke 

ist ihm ein jeder selbst. Schau alle Sachen an: 

dies alles ist in dir. Laß deinen eitlen Wahn,

und eh du fürder gehst, so geh in dich zurücke. 

Wer sein selbst Meister ist und sich beherrschen kann, 

dem ist die weite Welt und alles untertan."

 

PS: *"gebeut" ist die frühere Bezeichnung für "befohlen, angewiesen" (sinngemäß) 

 

 

Seelentaucher

12.10.2016, 11:40 Uhr

Weil so lange so schönes Wetter war, bin ich ein wenig in meinem aktuellen Manuskript stecken geblieben. Ach, es hält mich ja nichts am Schreibtisch, wenn mich von draußen die Sonne ruft. Immer wieder muss ich dann laufen, laufen, laufen - und bin im Grunde froh, dass ich bis heute die "Stadtstreicherin" bleiben durfte, aus deren Perspektive ich vor einigen Jahren zwei Bücher geschrieben habe. Manchmal denke ich, ein drittes sollte folgen, wie ich ja auch latent an meinem dritten Kreta-Roman arbeite; aber - oh je - die Zeit und die Kraft und die begrenzte menschliche Energie! Nun gut. Immerhin; jetzt setzt das wahre Schriftstellerwetter ein. Wie gern igele ich mich in meine Schreibwerkstatt, wenn es endlich stürmt und regnet und draußen kälter wird. Für mich ist das keine traurige Jahreszeit, sondern eine zu bejubelnde, herzlich willkommene. So recht zum Eintauchen in meine Seele, aus der ich schöpfe für meinen Dienst an der Literatur. Jetzt nur nicht über´s Ziel hinaus schießen - und trotzdem immer weiter raus gehen. Es gibt kein schlechtes Wetter; und zum großen Glück besitze ich auch die passende Kleidung. Auch schon wieder ein Grund für das "Danke" des Tages. Nichts davon ist selbstverständlich.

Fortsetzung folgt.